Die Funktionaloptometrie beschäftigt sich mit Funktionsstörungen, die bei gesunden Augen aufgrund eines falschen Sehverhaltens oder einer fehlerhaften Sehentwicklung auftreten und zu Problemen der visuellen Wahrnehmung führen können. Sie ist eine Spezialisierung der Augenoptik / Optometrie und setzt den Augenoptikermeister oder ein Studium der Optometrie voraus. Die Funktionaloptometrie wird in anderen Ländern seit langem erfolgreich praktiziert und auch in Deutschland wird sie immer bekannter.
Neben funktionellen Schwächen des Auges, können auch Störungen in der allgemeinen Kindlichen Entwicklung zu einer schlechteren Sehverarbeitung führen.

Man kann es gut mit dem Erlernen des Laufens vergleichen. Zwei Beine haben wir von Geburt an mitbekommen, aber bevor wir sie effektiv benutzen können, bedarf es einigen Entwicklungsschritten und auch danach kann es manchmal „unrund“ laufen. Das Sehen ist eine Fähigkeit, die in den verschiedenen Entwicklungsstufen erlernt werden muss und die in jedem Alter auch wieder an Effektivität verlieren kann.
Zum Sehen gehört mehr als nur die Sehstärke (Visus), die bei einer Brillenglasbestimmung ermittelt wird. Diese Messung erfasst lediglich ein kleinen Teil des Sehens. Andere Fähigkeiten wie Augenfolgebewegungen, das Zusammenspiel beider Augen, die Wahrnehmung und die Verarbeitung werden in der Regel nicht kontrolliert.

Für eine optimale Sehverarbeitung sind die Einzelfähigkeiten des Sehens unverzichtbar. Dazu gehören:

  • Augenbewegung – Gleichgewicht, Körperbewegung und Orientierung (wo bin ich)
  • Vergenz – Das Ausrichten beider Augen auf ein fixiertes Objekt (wo ist es)
  • Akkommodation – Scharfstellen, Identifizieren (was ist es)
  • Perzeption – Wahrnehmung, Vermischung mit sprechen/hören/fühlen/schmecken (wie ist es)

Das perfekte Sehen ist das Ergebnis des Zusammenwirkens aller beteiligten Einzelfunktionen. Sind einer oder mehrere Bereiche gestört, kann das visuelle System nicht effektiv arbeiten.

Bei der Visuellen Analyse wird die Krankengeschichte (Anamnese), zahlreiche Funktionstests (z. B. Qualität der Folgebewegungen, Blicksprünge, Konvergenznahpunkt, van-Orden-Stern, etc.) und eine lange Messreihe (sog. 21-Punkte-Messung-OEP) genutzt, um einen umfassenden Überblick über die visuelle Situation des Klienten zu erlangen.
Daraus läßt sich ableiten, an welchen Stellen das visuelle System ineffektiv arbeitet und ob es gegebenenfalls trainiert werden sollte (Visualtraining / Sehtraining).
Die Symptome für visuelle Wahrnehmungsstörungen sind vielfältig. So kommt es häufig zu Kopfschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten, Müdigkeit, reduzierter Lesezeit, Lernschwierigkeiten, unscharfen Bildern, Schwierigkeiten beim Sehen in der Nähe, etc.
Die Funktionaloptometrie stellt die Flexibilität der visuellen Wahrnehmung wieder her und beseitigt so den „Sehstress“ Sie steigert die allgemeine Leistungsfähigkeit.

Allerdings ersetzt sie nicht den Gang zum Augenarzt. Vor einem Visualtraining sollten pathologische Ursachen ausgeschlossen werden.

Beim Aufdecken der visuellen Defizite stoßen wir oft auch auf andere oder zusätzliche Ursachen, deshalb arbeiten wir eng mit Therapeuten wie Osteopathen, Logopäden, Physio,- Lern,- und Ergotherapeuten zusammen.
Die Funktionaloptometrie setzt dort an, wo mit einer Brille oder Kontaktlinsen nicht ausreichend geholfen werden kann. Es gibt auch viele Menschen, die keine Sehhilfe benötigen, aber trotzdem visuelle Defizite haben.

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